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NORDWIND: Pjotr Pawlenski verhaftet!

NORDWIND Festival - zur heutigen Verhaftung von Pjotr Pawlenski in Moskau

Pjotr Pawlenski, ein zentraler Künstler des an diesem Freitag startenden NORDWIND Festivals, ist heute Morgen in Moskau verhaftet worden, nachdem er in einer weiteren seiner Kunstaktionen die Tür zum russischen Geheimdienst FSB in Brand gesetzt hatte, um gegen den staatlichen "Terror" zu protestieren. Das Gebäude ist in Russland als Lubjanka bekannt - seit Sowjetzeiten ein Synonym für staatliche Unterdrückung. Ein Video der Aktion, die den Titel "Bedrohung" trägt, wurde auf der Plattform Vimeo veröffentlicht und ist heute Mittelpunkt in den sozialen Medien in Russland. Elena Gremina, die Leiterin des Teatr.doc, schreibt in einem Kommentar auf Facebook: "Die Aktion von Pawlenski ist eine starke Metapher. Hier ist alles wichtig. Dass das Land von einem KGB-Oberst regiert wird, dass es einen Krieg, polizeiliche Willkür und Korruption gibt. Dass Reformen eingestellt wurden und die Menschen in Russland rechtlos sind. Der Aktionist drückt sich selbst wie eine Farbtube auf das Bild der Realität aus. Das, was dabei rauskommt, ist beeindruckend."

Wie lange Pjotr Pawlenski in Untersuchungshaft bleiben wird und ob er im Laufe dieses Monats nach Deutschland reisen kann, ist ungewiss. Seine weltweit erste Retrospektive im Rahmen des Festivals NORDWIND auf Kampnagel in Hamburg soll aber wie geplant stattfinden. Sollte Pjotr Pawlenski selbst nicht kommen können, wird ihn seine Mitarbeiterin Oxana Schalygina bei der Eröffnung (27.11.) sowie zu den Panels in Dresden (26.11.) und Berlin (28.11.) vertreten.

Die Bilder von Pawlenskis Aktionen gingen um die Welt: Er nähte sich den Mund zu, nagelte sich nackt am Hodensack auf den Roten Platz und schnitt sich auf dem Dach der Botinskij-Psychiatrie ein Ohrläppchen ab. Die Reaktionen der russischen Gerichte, Medien und Öffentlichkeit sind als Antworten der Autorität Teil von Pawlenskis Kunst. Die Ausstellung aus Videos der Aktionen, Bildern, Dokumenten, sowie Reaktionen von Medien und Justiz, illustriert ein gespaltenes Land, in dem sich die zunehmend regierungskonformen Institutionen und eine kritische Minderheit unversöhnlich gegenüberstehen.

Weitere Informationen unter www.nordwind-festival.de.

Pressekontakt: BUREAU N, Johannes Ehmann johannes.ehmann@bureau-n.de T +49.30.62736102 www.bureau-n.de

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