Festspielhaus Hellerau

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03.02.2017-11.02.2017

Shifting Realities

Ein tänzerischer Dialog 
zwischen Afrika und Europa

Das Festival Shifting Realities bildet den Abschluss eines zweijährigen Austauschprojektes zwischen 13 NachwuchschoreografInnen aus Europa und verschiedenen afrikanischen Ländern. Shifting Realities zeigt nicht nur die Ergebnisse dieses Projektes, es gibt atemberaubend talentierten jungen TänzerInnen eine Bühne für ihre Gedanken, Befürchtungen, Utopien und Kreationen. Komplettiert wird das Festival mit Stücken etablierter afrikanischer Choreografen.


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Trying to find a new ­Körperlichkeit«

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Jason NY/USA, einer der Workshop-Teilnehmer im Senegal

Das Afrikaprojekt „Shifting Realities – Realitäten verschieben!“
13 junge ChoregrafInnen und TänzerInnen aus Afrika, Europa, Asien und Amerika treffen aufeinander, tauschen Erfahrungen aus, beginnen gemeinsam zu arbeiten. Aus unterschiedlichen Ausbildungen, Tanzstilen, Kulturen, Kontinenten und individuellen Geschichten entstehen gemeinsame Tanzprojekte. Street culture, afrikanische Überlebenskämpfe aus „closed neighbourhoods“ treffen auf europäisch-abgesicherte Lebensläufe, Palucca-AbsolventInnen auf afrikanische KünstlerInnen, für die Tanz ein künstlerisches Substitut von Straßenkampf wurde. „Realitäten“ in Afrika und in EU-Europa haben wenig gemeinsam – schon gar nicht für KünstlerInnen und noch weniger für zeitgenössische TänzerInnen und ChoreografInnen. In Ländern, die auf der Welt-Armuts-Skala ziemlich weit unten rangieren, die prekäre demokratische bis offen autoritäre oder diktatorische Strukturen haben und immer wieder von Boko Haram und Konsorten heimgesucht werden, in denen Gesundheit, Bildung und Kultur nicht eben Priorität genießen, bedeutet die Arbeit im zeitgenössischen Tanz oft ein hohes ökonomisches und persönliches Risiko. In diesen Kontext haben wir uns mit Shifting Realities begeben. Schon vor fünf Jahren begannen wir mit dem tanzhaus nrw Düsseldorf dieses Kooperationsprojekt mit Tanzzentren und ChoreografInnen in Afrika. Zur gleichen Zeit legte die Bundeskulturstiftung ein Förderprogramm für Kooperationen mit Afrika auf: das „Turn“-Programm, aus dem unsere Kooperation gefördert wird. Realitäten verändern? In Afrika? Mit Kunst, mit zeitgenössischem Tanz? Nicht wir verändern Realitäten in Afrika, sondern wir unterstützen diejenigen, die es dort tun. Wir haben in unseren beiden Afrikaprojekten Dance Dialogues Africa (2014) und Shifting Realities eine Kooperation mit Tanzzentren und ChoreografInnen in Benin, Burkina Faso, Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, Mali, Mosambik, Marokko, Nigeria, Senegal, Südafrika und Tunesien aufgebaut. Unsere Partner in Afrika schlagen selbst junge talentierte ChoreografInnen und Kompanien vor, die wir fördern und mit jungen ChoreografInnen und TänzerInnen aus Deutschland, Holland, Spanien, Indonesien, Israel, Taiwan und USA zusammen bringen. Vier Coaches aus Senegal, Südafrika, Mosambik und Deutschland betreuten das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Die Ergebnisse dieser ambitionierten Kooperation werden jetzt in HELLERAU und im tanzhaus nrw erstmals in Europa vorgestellt: fragile und sensible Arbeiten, atemberaubende Tanzexperimente und Kultur-Clashes, interkulturelle Fusions – getanzte Dokumente einer für die teilnehmenden KünstlerInnen außergewöhnlichen und prägenden Erfahrung. In einem elaborierten System von Tanz-Laboren, Workshops, Coachings und Produktionsförderungen sind neue Arbeiten und Arbeitsweisen, aber auch Austausch von KünstlerInnen aus Afrika, Europa, Asien und Amerika entstanden, haben junge KünstlerInnen in Afrika die Möglichkeit erhalten unter verbesserten und gesicherten Bedingungen zu produzieren. Ein Teil des Projektes fand in der École des Sables im Senegal statt, so etwas wie das Herz und das Labor des pan-afrikanischen zeitgenössischen Tanzes, das die charismatische Tänzerin, Choreografin und Lehrerin Germaine Acogny gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Vogt im Senegal als private Initiative aufgebaut hat – eine unglaubliche und bewundernswerte Leistung! Das andere Zentrum im Fokus von Shifting Realities ist Culturarte in Maputo/ Mosambik, von Panaibra Gabriel Canda gegründet und geleitet, der einer der talentiertesten Choreografen des südlichen Afrikas ist und schon öfter in HELLERAU zu sehen war. Beide großen afrikanischen Tanzper­sönlichkeiten – ­Germaine Acogny und Panaibra Gabriel Canda – werden mit ihren eigenen Auftritten Höhe­punkte bei Shifting Realities in ­HELLERAU kreieren.

Natürlich sind auch in diesem Projekt wie in allen vergleichbaren internationalen Kooperationen HELLERAUs VertreterInnen der Freien Tanzszene Dresdens involviert, diesmal Avatâra Ayuso, Jason Jacobs und Anna Till. Sie waren in der École des Sables eingeladen, arbeiten in den Produktionen von Shifting Realities mit und werden an der Abschlusstour in Dresden, Düsseldorf, Dakar und Marrakesch teilnehmen.

Dieter Jaenicke

Shifting Realities wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von TURN – Fonds für künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern. Die Projektaktivitäten wurden gefördert durch den Kopoduktionsfonds des Goethe-Instituts.

Logos

Europäisches Zentrum der Künste Dresden