Festspielhaus Hellerau

Flüchtlinge unterbringen in HELLERAU – Wie es weiter geht

Refugees are welcome here
Für ein weltoffenes Dresden

Am 02.12.2014 hat sich der Intendant von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Dieter Jaenicke, auch im Namen des gesamten Teams, an die Öffentlichkeit gewandt, und der Stadt Dresden das Angebot ausgesprochen, Asylsuchende im Europäischen Zentrum der Künste HELLERAU aufzunehmen. Dabei geht es auch darum, ein positives Signal für ein weltoffenes und tolerantes Dresden zu setzen, das sich nicht durch diffuse Ängste, sondern eine herzliche Willkommenskultur auszeichnet.
Damit auch Außenstehende den Verlauf vor und nach dieser Meldung nachvollziehen können, möchten wir diesen in einer Timeline darstellen.

13.11.2014
Erste Sitzung der „AG Flüchtlinge“ in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Auslöser war die wachsende Anzahl der Teilnehmer der PEGIDA-Demonstration und der Wunsch des HELLERAU-Teams, in einem positiven Sinne selbst aktiv zu werden. Die freiwillige Arbeitsgruppe wurde gegründet, um die Möglichkeiten vor Ort auszuloten und gemeinsam Ideen und Aktionen zu entwickeln. An der AG partizipieren Mitarbeiter/innen aus allen Bereichen des Theaters.

November und Anfang Dezember 2014
Wir vernetzen uns, lassen uns beraten und informieren. Wir laden den Sprecher des Sächsischen Flüchtlingsrats e.V. ein, um uns über die Lage von Asylsuchenden in Dresden ein dezidiertes Bild zu machen. Wir treten dem Netzwerk „Dresden für alle“ bei.

29.11.2014
Unsere Einladung hat funktioniert! Während des Konzerts BANDSTAND HELLERAU bekommen wir zum ersten Mal Besuch von einer Gruppe eritreischer Flüchtlinge, mit denen wir seither auch weiter in Kontakt sind. Seit dem sprechen wir gezielt Einladungen für Asylsuchende aus, unsere Vorstellungen kostenfrei zu besuchen.

02.12.2014
Wir veröffentlichen das Angebot an die Stadt, Flüchtlinge bei uns aufzunehmen und positionieren und klar für ein weltoffenes Dresden. Hier ein Auszug aus dem Schreiben des Intendanten Dieter Jaenicke: „HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden ist heute einer der Orte in der Stadt Dresden, in dem internationale Begegnung, das Miteinander verschiedener Kulturen, Sprachen und Nationalitäten unter den Künstlern und im Publikum selbstverständlich geworden sind. Daraus leiten wir eine besondere Verpflichtung und Verantwortung ab.“

Nach dem 02.12.2014
Uns erreichen viele positive Rückmeldungen von Kolleg/innen, Bürger/innen, Anwohner/innen und Journalist/innen. Wir erhalten zahlreiche konkrete Hilfs- und Unterstützungsangebote, vor allem auch im Bezug auf die Zeit, wenn Asylsuchende Teil von HELLERAU sein werden. Uns erreichen auch einige wenige negative Rückmeldungen und sogar Drohungen. Diese stehen jedoch in keinem Verhältnis zu den positiven Rückmeldungen.

05.12.2014
Die Stadt hat auf unser Angebot und Engagement sehr positiv reagiert. Das Sozialamt hat nun die Aufgabe, die Möglichkeiten für eine Unterbringung von Flüchtlingen in HELLERAU zu bewerten. Bei einem gemeinsamen Termin werden diese eruiert. Die Mitarbeiter/innen des Sozialamtes nehmen die Bedingungen vor Ort zur Prüfung mit. Wir hoffen sehr auf ein positives Ergebnis.

08.12.2014
Ausgehend von der Intendantenrunde (ein regelmäßiges Treffen der Dresdner Intendant/innen) veröffentlichen wir gemeinsam mit vielen anderen Kulturinstitutionen der Stadt die Anzeigen „Refugees are welcome here - Für ein weltoffenes Dresden“ am 08.12.2014 in der Sächsischen Zeitung, der DNN und weiteren Printmedien.

Dezember 2014
Wir beschäftigen uns weiterhin intensiv mit der Thematik und treffen uns wöchentlich in unserer AG. Zwei Mitarbeiterinnen sind als „Deutsch-als-Fremdsprache“-Lehrerinnen qualifiziert und arbeiten daran, solche Kurse kostenfrei für Flüchtlinge in HELLERAU anbieten zu können.

15.12.2014
Wir laden gemeinsam mit dem Ortsamt Klotzsche und anderen Partner/innen zum Bürgergespräch
mit Vertretern von Politik, Verwaltung und Polizei zum Thema „Errichtung eines Asylbewerberheimes in Klotzsche“ in der Christuskirche am Boltenhagener Platz ein und nehmen am Dialog teil.

17.12.2014
Wir treffen uns im Rahmen des Kulturquartiers (Zusammenschluss Dresdner Kulturinstitutionen) in einer kleinen Runde und stellen uns weiterhin die Frage, wie wir als Kulturinstitutionen mit den PEGIDA-Demonstrationen und der offensichtlichen Fremdenfeindlichkeit umgehen sollen. Welche Verantwortung haben wir dabei und wie können wir gemeinsam und vernetzt vorgehen? Aus diesem Treffen geht die Idee gemeinsamer Aktionstage hervor, welche Anfang Januar weiter geplant werden.

18.12.2014
Wir treffen uns mit Vereinen und Initiativen aus Hellerau und Klotzsche, um unsere Ideen vorzutragen und um uns auszutauschen. Vertreter/innen der Politik, Vertreter des Bürgervereins Hellerau, die Schulleiterin der anliegenden Schule und langjährige Partner/innen von HELLERAU, wie der Deutsche Werkbund, international friends e.V., der Weltkulturerbe-Verein, die Deutschen Werkstätten Hellerau nehmen ebenfalls an dem Treffen teil. Es herrscht Einigkeit darüber, dass es darum geht, gemeinsam positive Impulse zu setzen.

Im Anschluss hat HELLERAU seine direkten Anwohner und Anwohnerinnen eingeladen, u.a. um zum Thema der Unterbringung Asylsuchender in HELLERAU in einen Dialog zu kommen. Über 30 Personen sind dieser Einladung gefolgt. Einige Anwohner/innen sind mit dem Angebot von HELLERAU Asylsuchende aufzunehmen nicht einverstanden, andere empfinden dieses als wunderbar und unterstützenswert. Wir einigen uns darauf, zu diesem Thema in einem stetigen Dialog zu bleiben.

19.12.2014
Am Freitag vor Weihnachten hängt nun endlich unser Banner am Festspielhaus, welches sich an der Formulierung der gemeinsamen Anzeige „Refugees are welcome here - Für ein weltoffenes Dresden“ orientiert. Das Staatsschauspiel Dresden und die Semperoper Dresden haben ebenfalls Banner mit diesem Inhalt an ihre Häuser gehangen. Wir freuen uns sehr, diese für uns sehr wichtige Aussage nun auch am Festspielhaus zeigen zu können.

Januar 2015
Wir warten nun auf eine Bewertung des Sozialamtes, ob Flüchtlinge bei uns untergebracht werden können, danach müsste ein Einschätzung durch die Bauordnung und die Feuerwehr erfolgen. Wir gehen davon aus, dass wir bis spätestens Ende Januar hierzu eine klar Einschätzung haben. Außerdem werden wir gemeinsam mit den anderen Dresdner Kulturinstitutionen Aktionstage gestalten. Informationen folgen bald!

Was wir planen/ Aktueller Stand:
-Wir werden uns weiterhin vernetzen und versuchen, einen Beitrag im Stadtteil für Toleranz und Akzeptanz zu leisten. -Wir möchten so schnell wie möglich Asylsuchende bei uns aufnehmen. -Wir entwickeln weitere Ideen zur Einbindung Asylsuchender. Außerdem möchten wir uns auch programmatisch intensiv mit der Thematik beschäftigen und das Festspielhaus als Ort des Dialoges im Stadtteil, aber auch in Dresden insgesamt, verstanden wissen. -Wir setzen gemeinsam mit anderen Kulturinstitutionen Aktionstage um. Informationen folgen.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden