Festspielhaus Hellerau

Nov/Dez 2014 – HELLERAU leuchtet

Dieter Jaenicke

In letzter Zeit werde ich immer wieder angesprochen, wie toll das sei, dass nun endlich der marode Ostflügel von HELLERAU renoviert würde. Würde ja auch Zeit und ob dann nicht auch endlich das Schlagloch-Eldorado des historischen Festspielhaus-Vorplatzes gleich mit saniert würde. Die Verpackung des Ostflügels legt ja tatsächlich die Vermutung nahe, da würde was passieren. Ist aber leider nicht so: HIER WIRD noch immer NICHT GEBAUT! Die Planen sollen nur verhindern, dass das Teil ganz zusammenkracht. Und inzwischen hört man aus der Stadtverwaltung, im Frühjahr würde das wieder abgebaut, weil dann das bewilligte Geld für die Maßnahme verbraucht sei. Wie bitte? Man schützt etwas zwei Jahre lang, um es dann doch wieder dem Verfall preis zu geben? Dann hätte man sich das Geld gleich sparen können.

Dresden tut sich schwer mit den zwei Millionen Euro Eigenanteil für die Renovierung des Ostflügels (ohne die auch die Hellerauer Weltkulturerbe-Bewerbung aussichtslos ist). Als Argument müssen dann immer die 200 Millionen für Kulturpalast und Kraftwerk Mitte herhalten, die den Haushalt ja schon belasten. Aber gleichzeitig tritt die Marketinggesellschaft der Stadt mit einer Image-Kampagne für das kreative, innovative, junge Dresden an. Ist Dresden nicht gerade in HELLERAU künstlerisch kreativer, innovativer, jünger, avantgardistischer als anderswo?

Aber natürlich gibt es auch gute Nachrichten: HELLERAU gehört zu den Zentren für zeitgenössische Performing Arts, die sich jetzt als die sechs wichtigsten in Deutschland zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam politisch zu Wort zu melden und kulturpolitische Zukunft zu gestalten. HELLERAU steht einsam für den gesamten Osten Deutschlands. Hätte vor fünf Jahren mal einer sagen sollen.

Ein bisschen Rückblick 2014: Erinnern Sie sich noch, wie das Jahr in HELLERAU anfing? Mit dem atemberaubend schönen Tanzstück des Japaners Saburo Teshigawara. Die Höhepunkte 2014: das bewegende Festival Dance Dialogues Africa im März, Rice des Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan, die Veranstaltungsserie TAIWANtoday, die mit der Kompanie HORSE im November und der großen Neuen Medien-Kunstausstellung schizophrenia 2.0 Anfang 2015 weiter geht, Wim Vandekeybus und Ensemble Ictus mit dem Klassiker What the Body Does Not Remember, Steve Reich, die Dresdner Sinfoniker mit Dede Korkut, Lia Rodrigues aus Brasilien mit ihrer verstörenden Performance Pindorama, ein super Kids-On-Stage-Festival und das Saison-Highlight Akram Khan und Israel Galván, im Herbst die Young European Choreographers, William Forsythe, Rui Horta und das neue TONLAGEN-Festival, spannende Produktionen der LINIE 08, die Kult-Serie Musik im Liegen, das Doppelpass- Projekt THE PAST mit Constanza Macras und vieles, vieles mehr.

„HELLERAU leuchtet“ – damit sind wir vor fünf Jahren angetreten. Ich finde, inzwischen ist es schon ganz schön hell geworden in den Hellerbergen. In diesem Sinne wünschen wir eine leuchtend helle und schöne Weihnachtszeit. Und wer weiß, fürs Neue Jahr auch den Mut für Politik und Verwaltung sich endlich des Ostflügels von HELLERAU anzunehmen. Bleiben Sie uns treu!

Dieter Jaenicke

Europäisches Zentrum der Künste Dresden