Festspielhaus Hellerau

Mai-Juli 2013 – Über die Relativität der Grundrechnungsarten und die Tanzereignisse des Jahres

Dieter Jaenicke

Kunst und Kultur lassen sich in ihrer Bedeutung nur schwer quantifizieren. Deshalb sind Journalisten und gelegentlich auch Politiker glücklich, wenn sie scheinbar objektive Zahlen bekommen. Eine solche geradezu magische Zahl ist die Subvention pro Zuschauer, Theatersitz oder Eintrittskarte. Eine Dresdner Boulevardzeitung hat daraus kürzlich eine Totschlagzahl für HELLERAU errechnet. Angeblich sei bei uns jedes Ticket mit 200 € öffentlichen Mittel der Stadt Dresden bezuschusst. Unsere Berichtigung der Zahlen wurde leider nicht gedruckt, also tun wir das hier.

Die Fakten: Bei einem städtischen Zuschuss von ca. drei Millionen € hatte das Festspielhaus 2012 insgesamt ca. 42.500 Besucher bei aus diesem Etat ganz oder teilweise finanzierten Veranstaltungen, die wir in Eigenregie oder in Kooperation mit Partnern durchgeführt haben, so wie es unser kultureller Auftrag ist. Die Grundrechnungsarten: Teilt man diese drei Millionen durch 42.500 Besucher, kommt selbst das bekannte Milchmädchen auf 70 und nicht auf 200 € pro Eintrittskarte/Zuschauer.

Tatsächlich machen wir aber mit unserem städtischem Zuschuss nicht nur Veranstaltungen, sondern finanzieren alle möglichen kulturellen Aktivitäten und Aufträge wie Produktionsförderungen und Proben mit technischer Betreuung für einen nicht unerheblichen Teil der freien Dresdner Musik-, Tanz- und Theaterszene, die Betreuung von Archiven, Besucherführungen, Publikationen, musik- und theaterpädagogische Projekte usw. Bei vorsichtiger Schätzung werden durch diese Aktivitäten mindestens 15 Prozent unseres städtischen Zuschusses gebunden. Das heißt, für Veranstaltungen stehen uns etwa 2.55 Mio € aus dem Stadtsäckel zur Verfügung, teilt man diese durch die 42.500 Zuschauer, kommt man auf einen Zuschuss pro Zuschauer von ca. 60 €. Damit steht HELLERAU, anders als in der erwähnten Zeitung dargestellt, sogar besser als Staatsoper und Staatsschauspiel da, wenn man denn so rechnen möchte. Das Verhältnis von Kultur und Mathematik ist nicht immer das entspannteste, aber einfache Grundrechnungsarten sollte man schon zu ihrem Recht kommen lassen.

Und damit zur Kunst: Drei große Tanzereignisse prägen das Mai-Programm. Mit der Batsheva Dance Company aus Israel kommt eine der weltbesten Kompanien nach HELLERAU. Ohad Naharin, künstlerischer Leiter von Batsheva, verzauberte im vergangenen Jahr mit einer Choreografie für das Ballett der Semperoper ein Riesenpublikum. Seine neue Arbeit Sadeh21 ist ein Meisterwerk, ein tänzerisches Feuerwerk, ein Rausch, der einen schwindlig tanzen kann. Wenige Tage danach dann eine Neuproduktion der Forsythe Company. Die besten Choreografen der Welt geben sich sozusagen in HELLERAU die Klinke in die Hand, öffnen sich und Ihnen, den Zuschauern, die Türen im Festspielhaus: Ohad Naharin und William Forsythe in einem Monat – die Tanzereignisse des Jahres in Dresden!

Aber nicht nur die Top-Weltklasse des Tanzes ist in HELLERAU zuhause. Längst ist das Haus auch ein Ort für die lokale Kunstszene. Das weiten wir nun auf den Freistaat Sachsen aus: mit der Tanzplattform Sachsen stellen wir in zwei Tagen zehn Tanzproduktionen aus Sachsen vor, dazu veranstalten wir in Kooperation mit der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Landesverband und dem Dachverband Tanz den Fachtag Tanz in HELLERAU. Global and local! Und Ende Juni geht es dann mit streetculture@Hellerau – Festival für urbane Kunst und zeitgenössische Kultur richtig zur Sache. Viel Spaß!

Dieter Jaenicke

Europäisches Zentrum der Künste Dresden