Festspielhaus Hellerau

Bund fördert neues Bündnis von sieben internationalen Produktionshäusern für zeitgenössische darstellende Kunst in Deutschland mit 12 Mio. Euro

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat eine Finanzierung zur Förderung eines neuen Verbundprojekts von sieben internationalen Produktionshäusern für zeitgenössische darstellende Kunst in Deutschland bereitgestellt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters fördert das Projekt in den kommenden drei Jahren mit insgesamt zwölf Mio. Euro. Der Verbund besteht aus dem Forum Freies Theater (Düsseldorf), dem HAU Hebbel am Ufer (Berlin), HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, PACT Zollverein (Essen) und dem Tanzhaus NRW und vereint damit die bedeutendsten und größten Produktionszentren der freien Tanz-, Theater- und Performance-Szene in Deutschland.

Für HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden bedeutet das eine jährliche zusätzliche Förderung von ca. 600.000 Euro, das bedeutet eine Erhöhung des künstlerischen Etats um ein Fünftel. Bedingung für die Förderung durch den Bund ist die gleichbleibende kommunale Förderung.
„Wir sind natürlich sehr glücklich über dieses zusätzliche Geld, das uns ermöglichen wird, noch besser zu arbeiten“, so Dieter Jaenicke, Intendant von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden. „Mindestens genauso wichtig ist für uns aber die Anerkennung unserer bisherigen Arbeit, die mit dieser Förderung verbunden ist.“

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sind die Häuser im geplanten Projekt zu wichtigen und weltweit bekannten Institutionen, Protagonisten und Austragungsorten des internationalen Kulturaustauschs im Bereich der darstellenden Künste geworden, in dem sie zukunftsrelevante lokale und globale Fragestellungen in unterschiedlichsten, interdisziplinären und diversifizierten Kooperationsnetzwerken modellhaft miteinander zu verknüpfen und zwischen künstlerischen und sozialen Praktiken zu übertragen verstanden.


Das Verbundprojekt der sieben Produktionshäuser zielt nunmehr ab auf die bundesweite Bündelung, Sicht- und Nutzbarmachung solcher jeweils ortsspezifisch entwickelter Ressourcen und Kompetenzen. Im Zentrum stehen die Ermöglichung, Vertiefung und Vernetzung verschiedener künstlerischer Positionen, Prozesse, Formate, Räume und Forschungsvorhaben. Dabei werden spartenübergreifende, kollektive, partizipatorische und experimentelle Arbeitsweisen eine zentrale Rolle spielen, mit denen eine ästhetische Erprobung von Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Themenfeldern und Konflikten unseres politischen, sozialen und individuellen Umfelds möglich wird. Die Produktionshäuser verstehen sich in diesem Sinne auch als Laboratorien der Zivilgesellschaft, in denen unterschiedliche Szenarien des Zusammenlebens und des Wandels durchgespielt werden können.

Im Rahmen des Verbundprojekts werden die einzelnen Produktionszentren Recherche- und Werkaufträge vergeben, Künstler- und Expertenresidenzen ermöglichen, für die regionale wie internationale Kontextualisierung der Arbeitsprozesse und Produktionen sorgen und dabei wissenschaftliche Institutionen, soziale Initiativen und interkulturelle Ansätze einbinden. Verschiedene öffentliche künstlerische Formate sollen erarbeitet, inszeniert, auf- oder durchgeführt und zwischen den Partnern ausgetauscht werden. Diese Praxis erlaubt auch eine nachhaltigere und substantiellere, länderübergreifende Zusammenarbeit freier Künstler und ihrer Produktionen mit und zwischen den beteiligten Häusern. Vor Ort entstehen unter Beteiligung lokaler, regionaler und städteübergreifender Netzwerke Dialoge, Erwiderungen, Entgegnungen, die durch Symposien, Konferenzen, Begegnungen von Künstlern und Publikum, Publikationen und Kataloge, Online-Archive und Webplattformen nachbearbeitet und reflektiert werden. Dazu Rüdiger Kruse (CDU), Hauptberichterstatter für Kultur und Medien im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages: „Die Produktionshäuser wirken als interdisziplinäre Forschungslabore für Theater, Tanz, Musik und Performance. Mit dieser Förderung kann das Potenzial für eigene innovative Produktionen der wichtigen deutschen Produktionshäuser genutzt werden. Durch den Gemeinschaftsansatz, mit gezielter Bündelung der Ressourcen und viel Kreativität wird eine wesentlich stärkere Wirkung erzielt als mit Einzelprojekten.“ Dazu Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: „Ich kenne das Bündnis internationaler Produktionshäuser in erster Linie durch Kampnagel in Hamburg, das ein hervorragendes Beispiel dafür ist, wie man ein quirliges Powerhaus der Kultur in allen Varianten und Aspekten darstellen kann. Die Anregungen und Innovationen die davon ausgehen, sind wertvoll und unbezahlbar. Daher habe ich mich sehr gefreut, einen kleinen Beitrag hierzu geleistet zu haben.“

Mit dem Verbundprojekt entsteht ein agiles und ausdifferenziertes Kompetenznetzwerk für die Produktion, Präsentation und Übertragung herausragender zeitgenössischer darstellender Kunst und ihrer Kontexte. Die spezifischen Ressourcen der einzelnen Orte und künstlerischen Praktiken können so mit größtmöglicher Diversität gebündelt und bundesweit wie international sichtbar gemacht werden. Damit wird der Verbund einen wesentlichen Beitrag zur Wahrnehmung und Wertschätzung der darstellenden Kunstformen und ihrer Wirkungen in aktuelle gesellschaftliche Realitäten leisten. Die vorgesehene Förderung durch den Bund dokumentiert auch, dass in den letzten drei Jahrzehnten neben den deutschen Stadt- und Staatstheatern andere Organisationsmodelle und Institutionen für neue Produktionsweisen, künstlerische, inhaltliche und ästhetische Ansätze und urbane Interventionen in den darstellenden Künsten entstanden sind, die weit über ihre regionalen Zusammenhänge hinaus Bedeutung erlangt haben. Wir hoffen, dass diese Förderung andere Kommunen und Länder dazu ermutigt, Initiativen für ähnliche Zentren zu unterstützen. So die sieben künstlerischen Leiterinnen und Leiter der Produktionshäuser: Annemie Vanackere (HAU Hebbel am Ufer), Kathrin Tiedemann (Forum Freies Theater), Dieter Jaenicke (HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste), Amelie Deuflhard (Kampnagel), Matthias Pees (Künstlerhaus Mousonturm), Stefan Hilterhaus (PACT Zollverein) und Bettina Masuch (Tanzhaus NRW).

Europäisches Zentrum der Künste Dresden