Hellerauer Welterbe-Bewerbung

Zum 31. Januar 2012 haben 10 Initiativen ihre Welterbe-Bewerbung beim Sächsischen Ministerium des Innern (SMI) eingereicht. Die Interessengemeinschaft Hellerau, die ihre Bewerbung unter dem Titel "Hellerau - Laboratorium einer neuen Menschheit" am 1.11.2011 abgegeben hatte, bereitet sich bereits intensiv auf die nächsten Schritte im Auswahlprozess vor. Der Freistaat Sachsen ist aufgefordert, der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) im Spätsommer 2012 bis zu zwei potentielle Kultur- sowie zwei Naturerbestätten für die deutsche Tentativliste vorzuschlagen.

Zurzeit wird unter Leitung des SMI eine Expertenkommission mit Vertretern aus verschiedenen Ministerien, Denkmalpflegern und Archäologen gebildet. Aufgabe dieser Kommission ist es, die Vorschläge auf ihre Erfolgsaussichten bei einer Antragstellung zu bewerten und in einer Rangfolge festzulegen, welche Stätten die Voraussetzungen zur Aufnahme in die Tentativliste am besten erfüllen. Alle Kandidaten erhalten im März die Möglichkeit, der Expertenkommission ihre Bewerbung zu präsentieren. Danach wird das SMI im Juni/Juli 2012 das Kabinett über das Ergebnis der Expertenkommission informieren. Das Kabinett entscheidet dann abschließend, ob und welche Stätten der KMK im Herbst 2012 zur Aufnahme in die deutsche Tentativliste vorgeschlagen werden.

Die Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH, die Grundbesitz Hellerau GmbH, HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden und der Verein Bürgerschaft Hellerau e.V., die sich zur Interessengemeinschaft Hellerau zusammengeschlossen haben, konzentrieren sich bei ihrer Bewerbung auf die innovative, lebensreformerische und ästhetisch-avantgardistische Ausprägung Helleraus. Der Ort und speziell das Festspielhaus stehen für eine einzigartige Architektur- und Theatergeschichte.

Der Titel "Laboratorium einer neuen Menschheit" stammt von dem französischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel, der Hellerau im Jahr 1912 besuchte. Auf den Leitideen der Lebensreformbewegung basierend, wurde die Siedlung zwischen 1909 und 1914 nördlich von Dresden erbaut. Ihre Formensprache, geprägt von den Architekten Richard Riemerschmid, Heinrich Tessenow, Hermann Muthesius, Kurt Frick und Theodor Fischer, stellte einen Aufbruch in den Funktionalismus und die Neue Sachlichkeit dar. Helleraus "Tempel der Kunst", das Festspielhaus, schrieb internationale Theatergeschichte als erster bühnenloser, offener Theaterbau der Moderne, der zum Synonym für modernen Ausdruckstanz avancierte und dessen Innenraum von Adolphe Appia und Alexander von Salzmann geprägt wurde. Hellerau verkörperte in seiner kurzen, aber heftigen Blütephase Innovation, Provokation und Selbstreflexion eines Experiments des frühen 20. Jahrhunderts und avancierte zum Zentrum der künstlerischen Avantgarde Europas.

Mitglieder der Expertenkommission des SMI sind: Vertreter des SMI, des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit, des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, des Landesamtes für Denkmalpflege, des Landesamtes für Archäologie, der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e. V., des International Council on Monuments and Sites, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.