Festspielhaus Hellerau

HELLERAU zur Flüchtlingsthematik

Die Landeshauptstadt Dresden muss in den nächsten Monaten wie alle größeren Gemeinden in Deutschland eine erhebliche Zahl von Flüchtlingen aufnehmen. Wir sprechen von bis zu 2000 weiteren Flüchtlingen, die in Dresden innerhalb kürzester Zeit untergebracht werden müssen. Für die Stadt ist das, wie für viele andere Städte in Deutschland auch, eine große Herausforderung.

Zugleich erschweren Bürgerproteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Nähe mögliche Lösungen. Die christlich-abendländischen Grundwerte der Nächstenliebe und des Mitgefühls, denen man – auch ohne gläubig zu sein – auf der Grundlage von Solidarität und Humanität zustimmen kann und die sich aus der Menschenrechtscharta ableiten, scheinen vielen nichts zu gelten, wenn es um „Andere“ in der eigenen Nähe geht.

Die Mitarbeiter von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden haben in den letzten Wochen eine intensive interne Diskussion darüber geführt, in welcher Form ein internationales Zentrum der Künste in dieser Situation Stellung beziehen, welchen Beitrag es leisten, welche Verantwortung es übernehmen kann.

HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden ist heute einer der Orte in der Stadt Dresden, in der internationale Begegnung, das Miteinander verschiedener Kulturen, Sprachen und Nationalitäten unter den Künstlern und im Publikum selbstverständlich geworden sind. Daraus leiten wir eine besondere Verpflichtung und Verantwortung ab.

HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden hat sich deshalb entschieden der Stadt Dresden einen erkennbaren und konkreten Beitrag für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen/Asylbewerbern anzubieten:

• Ab März 2015 könnte HELLERAU kurzfristig 15-20 Flüchtlinge/Asylbewerber in einem in sich geschlossenen Trakt im Hause unterbringen. Details dazu werden natürlich zunächst mit den zuständigen Verwaltungen geklärt.

• Die Mitarbeiterschaft von HELLERAU erklärt sich bereit in diesem Falle die aktive Betreuung/Patenschaft für die bei uns ggf. untergebrachten Flüchtlinge/Asylbewerber ehrenamtlich zu übernehmen.

• Unabhängig von der Unterbringung von Flüchtlingen/Asylbewerbern in unserem Haus bieten wir eine aktive Partnerschaft für Flüchtlinge/Asylbewerber an, die in unserer Nähe untergebracht sind.

• Wir bieten bereits jetzt den kostenlosen Besuch von Veranstaltungen im Festspielhaus für Flüchtlinge/Asylbewerber an. Dies wird auch schon genutzt.

• Wir bieten die Patenschaft für Roma-Flüchtlinge aus Südosteuropa an, die in Dresden untergebracht werden (HELLERAU wird in der Spielzeit 2015/16 das europaweite größte Kulturprojekt zur Situation der Sinti und Roma veranstalten – nichts ist sinnvoller als die in der Stadt angekommenen Roma- Flüchtlinge in dieses Projekt zu integrieren).

• Wir sind bereits aktiv in vielen Diskussionen, Foren, Netzwerken und Initiativen zum Thema Flüchtlinge/Asylbewerber vernetzt und verbunden und bieten unser Haus hierfür an.

Wir sehen HELLERAU als internationales Zentrum, für das der Umgang mit Menschen anderer Kulturen, Nationalitäten, Hautfarben, unterschiedlichster Lebensentwürfe und Lebenserfahrungen selbstverständlich ist. Wir sehen uns daher als kompetent und gut vorbereitet an, uns der Herausforderung zu stellen, mit Flüchtlingen aus anderen Teilen der Welt zusammen zu arbeiten, ihnen Angebote zu machen und uns auf sie einzustellen.

Unser Angebot wird für unseren Theaterbetrieb mit Sicherheit Einschränkungen und zusätzliche Aufgaben mit sich bringen. Wir nehmen dies aus bürgerschaftlicher Verantwortung in Kauf und möchten als internationale Kulturinstitution ein deutliches Zeichen für Weltoffenheit, Humanität und Willkommenskultur in der derzeit angespannten Diskussion innerhalb der Stadt Dresden setzen.


Dieter Jaenicke
Intendant

Europäisches Zentrum der Künste Dresden