Festspielhaus Hellerau

You cooked us up so many times

HELLERAU nimmt Abschied von der Forsythe Company. Anlässlich der Premiere der vorläufig letzten Choreografie von William Forsythe mit der Forsythe Company im Festspielhaus HELLERAU: „Yes we can’t“ am 05. Februar 2015

Rede von Dieter Jaenicke,
Intendant HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden

Meine Damen und Herren,

wir haben diese kleine Feier heute arrangiert als ein Dankeschön an Bill Forsythe und seine Tänzerinnen und Tänzer, seine Company. Um es gleich vorweg zu sagen, es ist nicht das letzte Mal, dass wir die Forsythe-Company hier sehen. Viele Tänzer werden im Juni noch einmal hier sein, dann allerdings nicht mit einer Choreografie von Bill Forsythe selbst.
Leider kann Bill heute unerwartet selbst nicht hier sein. Nach einer Operation dauert seine Genesung länger als vorgesehen. Bill ist nach wie vor in den USA im Hospital. Ich wünsche ihm von hier aus gute und baldige Genesung. Ein Dankeschön ist ein bisschen schwierig, wenn der, dem man danken möchte, nicht da ist. Aber die Company ist da, die Tänzer sind da, Sie, verehrtes Publikum und Freunde der Forsythe Company, sind da. Allemal Grund genug für einige Worte an dieser Stelle.

2005 hat Dr. Bernhard Freiherr von Loeffelholz eine in der föderalen Geschichte der BR Deutschland einmalige Initiative ergriffen und einen gemeinsamen Vertrag der beiden Bundesländer Hessen und Sachsen und der beiden Städte Frankfurt am Main und Dresden für eine dauerhafte Residenz der Forsythe Company in Frankfurt und in Dresden auf den Weg gebracht.

Das Festspielhaus HELLERAU – vor über 100 Jahren für die Bewegungskunst des Rhythmikers Emile Jaques-Dalcroze gebaut, erlebte mit der Forsythe-Company und Bill Forsythe als Künstlerischem Leiter der Company eine kaum für möglich gehaltene Renaissance als ein maßgeblicher Ort für den zeitgenössischen Tanz in Europa. Die Geschichte des Tanzes in HELLERAU und in Dresden, die mit Emile Jaques-Dalcroze begann, mit Mary Wigman fortgesetzt wurde, fand mit William Forsythe einen neuen Tanz-Repräsentanten von Weltruf für dieses und in diesem Haus.

Von 2005 bis heute hat Bill Forsythe uns dieses Haus gezeigt wie kein zweiter, seine Potenziale, seine künstlerischen Möglichkeiten und Qualitäten ausgelotet, seine räumlichen Dimensionen offen gelegt. Mit jeder neuen Choreografie von Forsythe hat das Haus neue Seiten gezeigt. Ich erinnere mich, wie wir am Fußboden an Wänden rings um die Bühne saßen und die Tänzer unter einer auf ungefähr 1 m heruntergelassenen Plane agieren sahen, wie der große Saal von einer kleinen Tribüne aus wie endlos erschien, wie wir uns wieder ein andermal in einem schwarzen Labyrinth unseren Platz ertasteten. Und immer waren es die Tänzer, die uns in ihren Bann zogen – allesamt inzwischen Ikonen für mehrere Tänzer-Generationen, allesamt zur Weltspitze des zeitgenössischen Tanzes gehörig, allesamt unverwechselbare, eigenwillige Charaktere. Jedem von Euch hat Bill Forsythe diesen Raum gegeben, diesen Weg gezeigt und jeder und jede von Euch sind uns so ans Herz gewachsen, wie wir Euch auf der Bühne erlebt und bewundert haben und hinterher bei den Premierenfeiern getroffen und kennengelernt haben.

William Forsythe und seine Company haben oft mit Stücken für ein relativ kleines Publikum große Kunst gemacht. Stücke, die nicht für 2000-Plätze-Opern-Bühnen gemacht waren, sondern für Räume wie hier in HELLERAU. Forsythe’s Stücke sind Forschungsprojekte, Recherchen an den Grenzen des Tanzes. Für eine Dekade konnten wir dieser Arbeit hier ein Zuhause geben. Darauf sind wir stolz und dafür sind wir dankbar.

Die Ära Bill Forsythe im Festspielhaus HELLERAU geht zu Ende. Sie wird bleiben als eine markante Periode – für dieses und in diesem Haus. Forsythe und seine Company haben dieses Haus international enorm aufgewertet und zurück in die Aufmerksamkeit der Tanzwelt geführt.

Ich bin viel in den Performing Arts-Kreisen der Welt unterwegs. HELLERAU ist wieder ein Begriff in dieser Welt. Aber es kommt schon vor, dass der eine oder andere mit dem Begriff HELLERAU noch nichts verbindet, es kommt auch vor (noch ein bisschen öfter sogar), dass der eine oder andere beim Namen Dresden nicht weiß, wovon man redet (obwohl die Bekanntheit der Stadt in den letzen Wochen sicher reichlich, wenn auch wenig wünschenswert zugelegt hat), aber der Name Forsythe sagt allen was. Und wenn ich in Indien oder Brasilien, in Bielefeld oder Hamburg, in den USA oder Frankreich, in Portugal oder China beginne HELLERAU zu erklären, fange ich immer damit „you know, we have the Forsythe Company as constant residents in our house“. Damit ist der Level, auf dem wir uns bewegen dann schon mal geklärt, das Europäischen Zentrum der Künste HELLERAU von vornherein auf dem höchst möglichen Niveau als Zentrum zeitgenössischer performativer Künste eingeordnet.
Und das verdanken wir nicht zuletzt William Forsythe und seiner Company.

Mit „Human Rights“ begann Forsythe seine Ära in HELLERAU, mit „Yes we can’t“ beendet er seine choreografische Handschrift in diesem Haus. Man kann das vielfältig interpretieren. Das überlasse ich gerne Ihnen. Ein Statement ist das allemal. Beide Titel markieren nicht nur künstlerische, sondern auch inhaltliche und politische Aussagen, die wir gut gebrauchen und brauchen können.

Wir haben großartige, irritierende, mitreißende Vorstellungen von Bill Forsythe in diesem Hause gesehen, wir hatten das Privileg einen der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler und Choreografen der Gegenwart in unserem Haus in Residenz zu haben, wir hatten das Privileg unglaubliche Tänzer auf unserer Bühne zu sehen. Or with other words: „You cooked us up so many times with your unintentional mistakes (Referenz auf einen Text im Stück „Yes we can’t“). You are just WONDERFUL!“ Im Namen unseres Hauses, im Namen unserer Mitarbeiter danken wir Bill Forsythe und seiner Company dafür und verbeugen uns vor einem großen Künstler und seinen Tänzern.


Rede von Dr. Bernhard Freiherr von Loeffelholz,
Vorsitzender des Fördervereins Hellerau e.V.

Liebe Forsythe-Familie,

dies ist ein Tag des Dankes, des herzlichen Dankens den Freunden, die uns ans Herz gewachsen sind, Tänzerinnen und Tänzer der Spitzenklasse aus vielen Ländern der Welt, die inspiriert von Bill Forsythe dieses Festspielhaus und die Stadt Dresden zu einem der bedeutendsten Orte des zeitgenössischen Tanzes in Deutschland gemacht haben.

Der Erste Weltkrieg hatte 1914 das hier in Dresden auf dem Heller von Unternehmern, Künstlern und Geistesgrößen angefachte Feuer der Moderne ausgelöscht. Im Zweiten Weltkrieg waren hier deutsche Soldaten und danach russische Soldaten.

Nach Abschluss eines außergewöhnlichen Vertrages der Länder Sachsen und Hessen sowie der Städte Dresden und Frankfurt mit der neu gegründeten Forsythe Company im Jahre 2004 konnte das Festspielhaus von Grund auf mit heutiger Technik renoviert und 2006 mit „Human Writes“ wieder eröffnet werden.
Dieses Stück über den Kampf um Menschenrechte hat heute mehr Bedeutung denn je. Viele schreckliche Ereignisse in der Welt zeigen dies und ausgerechnet Dresden steht heute als ausländerfeindlich da. Ich bin Herrn Jaenicke, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar, dass das Festspielhaus Hellerau mit der Aufnahme von Flüchtlingen und deren möglicher Einbeziehung in künstlerische Arbeit dem entgegnen will.

„Human Writes“ wird weiter wirken!

Ein Bild aus der „Human Writes“-Produktion 2006, das mir Bill am Ende meiner Amtszeit als Präsident des Sächsischen Kultursenats schenkte, hängt in meinem Haus und erinnert mich täglich an gemeinsam Erlebtes und unser aller Auftrag zur Mitmenschlichkeit.

Nun bleibt mir nur, allen, die nicht mit Jacopo Godani weiterarbeiten werden, in herzlicher Verbundenheit gute neue Aufgaben zu wünschen. Ihr könnt mitnehmen, dass Ihr mit eueren Auftritten hier Nachhaltiges geschaffen habt, das viele Menschen dankbar in Erinnerung behalten.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden